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Gamification in der DPSG – Jugendverband am Puls der Zeit

Den Anfang machte eine Schnappsidee von @wwwchrisde, nur ohne Alkohol: Wie wäre es eigentlich mit einem Tippspiel zur DPSG Bundesversammlung? Jeder soll versuchen so gut wie möglich vorher zu sagen wie die Anträge in Lübeck abgestimmt werden.

Ich fand die Idee reizvoll und meldet Chris zurück, dass ich gerne mithelfen würde. Nachdem die technische Seite eher nicht meine Stärke ist, überlegte ich mir wie man ein faires Spieldesign machen könnte, mit welchem man auch bei geänderten oder zurückgezogenen Anträgen einen gerechten Spielablauf garantieren kann. Dann noch schnell ein paar einleitende Worte schreiben und nicht mal 24 Stunden nach der ersten Idee war das DPSG BV Tippspiel online.

Keine Stunde danach kam auch schon der erste Anruf aus der Bundesleitung: Wir sollten nochmal klar stellen, dass das keine offizielle DPSG Seite ist und auch keine Tippergebnisse vor den Abstimmungen veröffentlichen. Klar, ist ja Ehrensache.

Weitere 24 Stunden später war die Zeit zum Tippen abgelaufen. Die Bundesversammlung begann die Anträge abzustimmen. In der Zwischenzeit hatten über 40 Personen, vom Leiter im Stamm bis zum Mitglied der Bundesversammlung, mitgemacht. An den Antworten war klar abzulesen, dass sich die meisten Teilnehmer mit den Anträgen auseinandergesetzt hatten. Viele davon auch, weil sie beim Tippspiel gut abschneiden wollten. Wir hatten also unser Ziel erreicht: Über den Kreis derer die sich wegen ihrer Mitgliedschaft in der Bundesversammlung  mit den Themen beschäftigen „mussten“ interessierten sich andere auch dafür, machten sich kundig, diskutierten und spielten mit.
Der Fachausdruck dafür ist Gamification. Durch spielerische Elemente sollen Menschen dazu gebracht werden sich mit ernsthaften Dingen zu beschäftigen und darüber nachzudenken.

Hier übrigens die Auswertung des Tippspiels.

Vielleicht wäre dieser Ansatz ja eine Möglichkeit für die DPSG die Interessenslücke zwischen Basis und politischer Entscheidungsebene zu verkleinern.  Die Leiter in den Stämmen verstehen „die da oben“  in der Bundesversammlung besser, weil sie besser wissen was dort überhaupt passiert.

Der Schritt hin zu diesem Ziel ist eine transparentere und von außen besser nachvollziehbare Bundesversammlung. Wann reicht wer einen Änderungsantrag ein? Und was steht da drin? Wie reagiert die Versammlung auf Wortbeiträge?

Wie kann das funktionieren?

Der Präsentationskanal:
Zu allererst muss die Versammlung für die außenstehende Verbandsöffentlichkeit gut dokumentiert werden. Das beginnt damit, dass grundlegende Dokumente wie Geschäftsordnung und eingeladene Mitglieder veröffentlicht werden müssen. Dazu muss man Anträge und Vorlagen die vor der Versammlung erstellt werden einfach beziehen können.

Während der Versammlung muss über Twitter  und Facebook eine regelmäßige und ausführliche Berichterstattung über die Versammlung gewährleistet werden. Auch ein Livestream wäre technisch kein Problem, ist aber inhaltlich auch mit Gefahren verbunden. Wenn Menschen wissen, dass sie live von vielen Menschen gesehen werden können, dann kann das auch Auswirkungen auf deren Verhalten haben.

Ansonsten ist diese Berichterstattung, natürlich nur in den öffentlichen Teilen, unproblematisch, da ja die Versammlung für die DPSG Öffentlichkeit und auch für Gäste offen steht. Das bedeutet, dass jeder der zuschaut und der Versammlung folgt ja theoretisch auch physisch im Raum sein dürfte.

Der Rückkanal:
Der große Unterschied zur jetzigen Form der Versammlung ist der Rückkanal, der aber meines Erachtens eine wichtige Funktion einnimmt. Wenn der Präsentationskanal gut konzipiert ist und funktioniert, dann kann etwa durch eine Twitterwall bei einem Redebeitrag quasi direkt eine Rückmeldung in die Versammlung geschickt werden. An Diskussionen können alle Interessierten teilnehmen und nicht nur die physisch Anwesenden.

Dies setzt jedoch ein Verständnis der Versammlung voraus. Es muss klar sein, dass auf einer Twittterwall Einzelmeinungen verbreitet werden und nicht „der Verband“ spricht. Solche Rückmeldungen sind also als „Stimmungshintergrundrauschen“ zu verstehen und nicht als bildgewordene Mehrheitsmeinung.

Neben der Expertise der Versammlungsmitglieder ist es möglich eine Verbandsöffentlichkeit herzustellen und schnell Ideen und Bemerkungen in den Prozess einfließen zu lassen. Damit müssen jedoch auch manche Schritte besser und oft auch anders erklärt werden, damit sie auch für Menschen verständlich sind die sich vorher nicht mit der Bundesebene auseinandergesetzt haben.

Es muss aber klar festgehalten werden, dass alle Entscheidungen der Bundesversammlung weiterhin von den direkt und indirekt demokratisch legitimierten Personen gefällt werden.

Was bringt das?

Insgesamt sehe ich es als Chance, die Menschen für welche es ja die Bundesversammlung gibt, die Kinder und Jugendlichen genauso wie die Leiter, besser zu informieren. Viele von ihnen sind es in Zeiten von Livetickern und Statusmeldungen gewohnt, dass sie innerhalb des Prozesses Informationen bekommen und nicht erst danach.

DPSG Bundesversammlungstippspiel 2012 (#DPSGBVTippspiel12)

Das Tippspiel 2012 muss vor dem Hintergrund der oben genannten Ideen also ein bisschen komplexer sein und damit auch längerfristig vorbereitet werden um dem Ziel der Einbeziehung einer größeren Verbandsöffentlichkeit gerecht werden zu können.
Die Anträge müssen frühzeitig online auffindbar sein. Vielleicht braucht es eine kleine Erklärung zum Thema und eine Verlinkung zu älteren Anträgen oder Texten zum selben Thema. Über eine Kommentarfunktion kann schon vor der Versammlung nach weiteren Erklärungen gefragt werden.

Dieses Antragsverzeichnis wird mit Initiativanträgen und Änderungsanträgen in Echtzeit ergänzt und gepflegt. Dies gilt vor genau so wie während der Versammlung.
Der Zeitplan der Versammlung wird ebenfalls publiziert und Änderungen werden nachgetragen.

Jeder der beim Tippspiel mitmacht kann zu jedem Antrag zwei Angaben machen:
1.    Wie will ich, dass der Antrag abgestimmt wird?
2.    Wie glaube ich, dass der Antrag abgestimmt wird?
Bei Änderungsanträgen wird der Teilnehmende automatisch über den neuen Wortlaut informiert und kann seinen Tipp ändern. Bei abgestimmten Anträgen wird sofort im Anschluss das aggregierte Ergebnis der Tipps veröffentlicht und kann von jedermann kommentiert werden.

Damit wird jedem im Verband Lust an wichtigen Fragen im Verband gemacht und wir sind als Kinder und Jugendverband am Puls der Zeit.

Mehr dazu auch bei Chris im Blog.

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