Allgemein, Fairer Handel
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Kauf dich nicht frei!


Wir können uns alles kaufen. Zumindest im Durchschnitt sind wir Deutschen so reich wie kaum Menschen in anderen Ländern. In unserem marktwirtschaftlichen System heißt das, dass wir die Freiheit leben können, selbst zu entscheiden, welches Produkt oder welche Dienstleistung wir haben wollen. Fast alles von dem, was wir glauben zu brauchen damit wir glücklich sind, gibt’s im Laden an der Ecke, im Kaufhaus oder im Internet. Das ist die große Freiheit des Konsumierens. Aber es gibt im Konsum keine Freiheit ohne Verantwortung.

Nicht nur Bundespräsident Joachim Gauck weißt immer wieder auf einen Fakt hin: Mit jeder Freiheit geht auch eine Verantwortung einher. Mit allem was wir tun können, sollen wir auch daran denken, was das Anderen antut. Wir können inzwischen wissen, was unser Konsum in anderen Teilen der Welt anrichtet und wir haben die finanziellen Möglichkeiten im Zweifel auch „bessere“ Produkte zu kaufen oder es einfach zu lassen.

Nehmen wir ein Beispiel: Bananen.

Bananen sind in Deutschland das günstigste Obst. Was verrückt klingt, wo die gelben Dinger doch meist in Südamerika wachsen, hat mit dem Bananenmarkt zu tun. Wenige große Importeure versorgen Europa und damit auch Deutschland mit Bananen. Auf riesigen Plantagen wird unter hohem Pestizideinsatz versucht, so viel wie möglich aus dem Boden zu holen. Dabei stellen die Gifte eine große Gefahr für die Arbeiterinnen und Arbeiter und den Boden dar. Diese Gefährdung zahlt sich nicht einmal finanziell aus: Unter schlechter Bezahlung arbeiten die Menschen oft 12 bis 14 Stunden am Tag.

Was hat das jetzt mit unserer Freiheit zu tun? Nun, wenn wir nicht, trotz unserer Möglichkeit, bereit sind ein paar Cent mehr für das Kilo Bananen zu bezahlen, wird sich daran nichts ändern. Menschen leiden für unseren Konsum. Klar ist die Sache ein bisschen komplizierter, aber im Endeffekt läuft es darauf raus: Nutzen wir egoistisch die Freiheiten, die wir vermeintlich haben oder bringt uns das Wissen über Zustände in anderen Teilen der Welt dazu uns solidarisch zu zeigen und dabei zu helfen, dass andere Menschen ebenfalls die Freiheit haben können, die wir genießen.

Kritischer Konsum bedeutet sich zu überlegen, ob das Produkt oder die Dienstleistung einen wirklichen Mehrwert für mich bedeuten, also ob ich sie wirklich brauche. Gleichzeitig geht es darum zu verstehen, was hinter jeder unserer Konsumentscheidungen steht. Wer davon profitiert, wer darunter leidet und was Wege für einen besseren Konsum sind. Im Falle von Bananen ist die Sache recht einfach: Fairtrade-Bio Bananen kosten 30ct mehr je Kilogramm und damit unterstützt du Bäuerinnen und Bauern, hilfst bei der Ausbildung deren Kinder, bringst Schwung in den Bananenmarkt und zeigst, dass dir andere Menschen nicht egal sind. Das ist doch mal was.

Die ökonomische Freiheit im Konsum heißt für mich Entscheidungen mit dem Kopf zu treffen und nicht mit dem Geldbeutel. Zu denken statt blind zu shoppen, damit wir unserer Freiheit und der damit einhergehenden Verantwortung auch gerecht werden können.

 

Dieser Kommentar ist für die Zeitschrift „Die Lupe“ des DPSG DV Köln entstanden.

CC BY-SA 3.0 DE
Inhalte auf raphabreyer.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Näheres im Impressum ). Der Artikel „Kauf dich nicht frei!“ (Text) steht unter der CC BY-SA 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Rapha Breyer.

1 Kommentare

  1. Danke für diesen Beitrag. Er fasst recht gut das Problem des Konsums zusammen.
    Man sollte echt ein bisschen mehr darüber nachdenken, was es für die Menschen, welche unseren Konsum ermöglichen, bedeutet, dass wir Nahrungsmittel und Kleidung für immer weniger Geld kaufen wollen…

    Viele Grüße,
    Fiona

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