Alle Artikel mit dem Schlagwort: Produktion

testbild_titel

Das DM Taschengate und seine bio faire Komponente

Die Wogen schlagen zu Recht hoch in den letzten Tagen. Worum es geht? Pia Drießen hatte entdeckt, dass die DM-Pfandtaschen nun nicht mehr von Manomama gefertigt werden, sondern jetzt aus Indien kommen. Seither zeigt sich auf Twitter unter #taschengate berechtigte Verärgerung. Die Kundinnen und Kunden darüber nicht zu informieren, zeugt mindestens von schlechtem Stil seitens DM, wenn es nicht sogar vorsätzliche Verbrauchertäuschung ist. „Manomama“ Sina Trinkwalder behauptet, dass sie erst durch den Blogpost erfahren hat, dass DM auch Taschen anderer Produzenten in ähnlichem Design anbietet. Stimmt dies, kann man wohl das Geschäftsverhältnis auch nicht gerade vertrauensvoll nennen. Mein Ansatzpunkt ist aber ein anderer: In mehreren Posts zum Thema ging es um die Frage „bio und fair“ versus „Produktion in Indien“. Exemplarisch der Tweet von @perleralations: Dies empfinde ich als eine unzulässige Vermischung der Faktoren. Man kann nämlich sehr wohl bio und fair in Indien produzieren und es gibt weitere Gründe, warum eine Produktionsverlagerung von Manomama nach Tiruppur in Indien sinnvoll sein kann.

IMG_6017

Unterschiedliche Maßstäbe

Stellen wir uns einen Agenturmitarbeiter in einer deutschen Stadt vor. Er verdient, am Durchschnitt gemessen, viel Geld. Das ist ok, er arbeitet ja auch gut und viel. Es ist eine meist ungeschriebene Abmachung, dass er abends länger bleibt um Projekte abzuschließen. Hoffentlich bekommt er die Überstunden bezahlt, wahrscheinlich bekommt er am Jahresende einen Bonus. Das er an fünf Arbeitstagen mehr als 50 Stunden arbeitet stört ihn zwar manchmal, aber das Geld macht es erträglich. In Deutschland ist dieses Verhalten gesellschaftlich akzeptiert. Auch das jammern darüber. Der Mensch will vorankommen, Geld verdienen, er nutzt dafür seine Möglichkeiten. Szenenwechsel: Indische Näherei. Ein Näher in Tiruppur. Er verdient, am Durchschnitt gemessen, viel Geld. Das ist ok, er arbeitet ja auch gut und viel. Er macht immer wieder Überstunden um Projekte abzuschließen. Für ihn ist das in Ordnung, er bekommt die Überstunden bezahlt. Am Ende des Jahres bekommt er einen Bonus, wenn sein Unternehmen Gewinne abwirft. Das er an sechs Tagen in der Woche auch mal 60 Stunden arbeitet stört ihn zwar manchmal, aber das Geld macht es erträglich. …

IMG_2660

T-Shirt City – Fluch und Segen der Textilindustrie

Als Girish mich vom Flughafen abholt, fahren wir 40 Minuten von Coimbatore nach Tirupur auf einem Highway. An der Stadtgrenze, die keine ist, beginnen die Häuser größer zu werden. „Alles Textilfabriken“, sagt Girish. „Diese hier auch, und diese hier“, zeigt er auf vorbeiziehende Häuser. „Für solch große Fabriken wird es aber bald zu teuer sein hier. Für Massenproduktionen steigen die Löhne zu schnell.“ Alles in Tirupur hängt an den Textilien. Wer nicht mit Textilien sein Geld verdient, verdient sein Geld mit dem Menschen die mit Textilien ihr Geld verdienen. In dem er ihnen Häuser vermietet, Essen zubereitet oder deren Motoroller wartet. Das ist Fluch und Segen zugleich. Vor 40 Jahren gab es hier vor allem Landwirtschaft. Dann fiel über Jahre kein Regen und es musste eine andere Beschäftigung her. Mit der Textilproduktion kam Arbeit zurück nach Tamil Nadu. Aber auch negative Extreme wurden sichtbar: Bunt gefärbtes Wasser in den Flüssen, überforderte Infrastruktur und  teilweise schlechte Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Das Problem der Färbemittelabwässer hätte die Politik lösen müssen, tatsächlich haben es Richter getan: 2011 mussten …