USA
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Das gute Gefühl

Gestern um 6 Uhr abends lief ich die 187. Straße über die St Nicolas Ave. Die Sonne stand sehr tief, erhellte aber noch die oberen Stockwerke der Gebäude und spendete ein bisschen Wärme. Ich hatte mir gerade einen Salat und eine Flasche Wasser gekauft und war auf dem Weg nach Hause. Nach Hause  in das Apartment von Ashanti, bei dem ich gerade wohne.

Ohne dies bewusst zu tun dachte ich über meine Situation nach. Es war ein bisschen unwirklich, aber ich fühlte mich gerade sehr entspannt und zufrieden. In diesem Moment fühlte es sich gut und richtig an was ich gerade mache. Das war vor allem vor dem Hintergrund ein schönes Gefühl, da ich mich vor einer Woche ganz und gar nicht so gefühlt hatte. Ich zweifelte daran, was der Sinn und Zweck dieser USA Reise sein sollte und vor allem auch, was danach kommt. Diese Fragen waren zwar nicht beantwortet, spielten aber einfach keine Rolle.

Mit einem ähnlichen Gefühl war ich auch schon die letzten Tage hier in New York unterwegs gewesen. Ich hatte mir ja absichtlich kein großes touristisches Programm zusammengestellt, sondern wollte mich ein bisschen treiben lassen. Mir die Stadt und die Menschen erschließen.

Am Freitag fuhr ich deshalb mit der Subway bis an den Südzipfel Manhattans, der sinniger Weise South Ferry heißt. Von dort aus durch die vollen Straßen von Downtown nordwärts. Interessant ist vor allem die Mischung aus Börsenhändler in der Mittagspause und komischen Touristen, zu denen ja auch ich gehöre.

Ich bin auf dem Weg am Hudson entlang zur wahrscheinlich größten Baustelle Manhattans, Ground Zero, dem ehemaligen Standort des World Trade Centers. Es war schwierig für mich einen Blick in die Baustelle zu werfen, aber alleine die äußeren Ausmaße des Geländes sind gigantisch und wirken umringt von all diesen Hochhäusern noch größer. Direkt nebenan zeigt ein kleiner Ausstellungsraum wie hier alles mal aussehen soll: Noch schöner, noch größer. Hier merke ich zum ersten Mal bewusst, wie wenig die US-Amerikaner von Understatement halten und wie alles verwoben und symbolisch scheint. Im Schaufenster des Showcase Raums steht eine Harley Davidson, für mich der Inbegriff von Freiheit, Selbstbestimmung und Unvernunft. Der Turm des neuen Gebäudekomplexes soll 1776 Fuß hoch sein und damit das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung symbolisieren.

Mein Spaziergang geht weiter durch den Financial District nach Chinatown. Ich werde später erfahren, dass ich nur in den Ausläufern, also im touristischen Teil war, aber trotzdem überwältigt mich der Anblick. Schon am Anfang ein Park in dem asiatisch aussehende Männer Mahyong spielen und daneben ausschließlich in Schriftzeichen beschriebene Geschäfte die allerlei Waren zum Verkauf anbieten. Nur ein paar Schritte weiter völlige Veränderung des Kulturraums. Zwar gibt es noch einige Geschäfte die zu großen Ketten gehören, doch selbst hier besteht  die Leuchtschrift aus Schriftzeichen. Immer mehr Restaurants und Gemüseläden tauchen auf. Ich höre kein Wort Englisch mehr. Ich versuche etwas zu essen zu finden, bin aber zu feige in ein Restaurant zu gehen, da ich mich selbst am Gemüsestand dem Verkäufer nur mit Händen und Füßen mitteilen kann.

Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich mich nun mehr als vier Stunden durch die Gegend gestaunt habe. Meine Füße sagen mir, dass ich dabei einiges gelaufen bin. Ein gutes Pensum für den ersten Tag.

Jedoch sollte dieser Tag nicht vor dem Abend gelobt werden. Mit einem Kommilitonen meiner Ruandafreundin Nina und zwei Freundinnen von ihm ging es zum Bier mit Live-Musik nach Williamsburg. Eine kleine Bar mit einem Lineup von vier Künstlern an einem Abend. Im Stundetakt Live-Musik. Und das jeden Tag. Leider waren wir ein bisschen spät, hören aber noch das Abschlusskonzert. Später gings dann noch zum Absackerbier in die Lower Eastside.

Um aus dem Samstag, den ich fast zur Hälfte verschlafen hatte, doch noch was zu machen entschied ich mich für ein bisschen Bewegung und frische Luft, also den Central Park. Auch hier war ich sehr begeistert. Auf Karten sah der immer irgendwie ziemlich kein aus. Das täuscht aber sehr. Das Wetter war gut und die Temperaturen über 40 Grad, also Fahrenheit natürlich, damit war klar, dass die unterschiedlichsten Menschen die gleiche Idee hatten wie ich: Jogger drehten ihre Runden auf der extra ausgewiesenen Laufstrecke, nur überholt von Rennradfahren in großen Gruppen die einem Tour de France Peleton würdig gewesen wären. Auf den Wiesen dazwischen Frisbee-Spieler  und spielende Kinder. In den kleinen Seen waren sogar schon die ersten Ruderboote unterwegs.
Alles ein wenig unwirklich und friedlich. Nicht das was ich von einer Großstadt erwarten würde.

Heute nun dann der große Schwertkampftag. Dazu aber mehr hoffentlich Morgen in meinem ersten Videoblog.

CC BY-SA 3.0 DE
Inhalte auf raphabreyer.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Näheres im Impressum ). Der Artikel „Das gute Gefühl“ (Text) steht unter der CC BY-SA 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Rapha Breyer.

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