Fairer Handel, Nachhaltigkeit
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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – Die Kritik am Fairen Handel

Kaffeetassen

Nach Zeit Online und dem Spiegel (ausführlicher Nr.41/2014, S.68) schreibt nun auch das Enorm Magazin über Fairen Handeln und im speziellen über kleine Firmen, die Nachhaltigkeit und fairen Handel neu definieren wollen. Der Artikel von Kathrin Hollmer lobt die Transparenz und die Innovationskraft dieser Unternehmen. Zwischen den Zeilen werden aber vor allem die Mechanismen des Fairen Handels als ziemlich wirkungslos und intransparent gebrandmarkt.

Der direkte Handel mit Rohstoffen und Zwischenprodukten ist ein großer Schritt, der in seiner Radikalität viele Vorteile hat und vor wenigen Jahren noch weitaus schwieriger war. Weniger Zwischenhändler sind eingebunden und so können größere Gewinnmargen erwirtschaftet werden, die auch kleinen Unternehmen eine Existenz sichern können. Es bleibt auch mehr Geld, welches direkt an die Kaffeebauern weitergegeben werden kann. Kann, aber nicht muss. Die Vertreterin von Green Cup Coffee, einem Tochterunternehmen von MyMuesli, spricht davon, dass ihre Bohnen fair gehandelt seien und ein Preis bezahlt werde, „der über dem Weltmarkt und Fairtrade-Niveau liegt“. Wenn dem so ist, dann ist das eine gute Sache. Die interessante Zusatzinformation dazu: Dies ist für guten Kaffee nichts besonders und vor allem ist es nicht extern überprüfbar. Wie viel sie wirklich bezahlen bleibt Geschäftsgeheimnis. Da ist es mit der Transparenz schon wieder vorbei.

Wer auf dieser Grundlage Fairtrade kritisiert, hat den Mechanismus des Fairen Handels nicht verstanden. Der Mindestpreis für Fairtrade zertifizierten Kaffee ist, wie der Name schon sagt, eine Untergrenze. In Zeiten von hohen Weltmarktpreisen ist er sowieso obsolet, da dann der höhere Preis maßgeblich ist. Der Fairtrade Mindestpreis ist also eine Lebensversicherung für Kaffeebauern, die eine marktunabhängige Mindestvergütung für ihre Produkte erhalten und so besser planen können. Das Fairtrade-System hat bei Kaffee auch andere Vorteile jenseits des Preises und der Fairtrade Zulagen, die verpflichtend zu bezahlen sind: Kaffeebauern bekommen darüber einen Marktzugang, um ihre Waren überhaupt verkaufen zu können. Dazu kommt, dass sie wissen, was ihre Waren mindestens wert sind und sie so Informationen bekommen, ohne die ein gutes Wirtschaften schwieriger wäre. Außerdem verfolgt das Fairtrade System einen gleichberechtigten Umgang mit den Produzentenorganisationen. In der beschlussfassenden Versammlung von Fairtrade International haben die Produzentenorganisationen gleich viele Stimmen wie die 25 Vermarktungsorganisationen aus den Absatzländern. In Deutschland vermarktet der gemeinnützige TransFair e.V. die Produkte mit dem Fairtrade Siegel.

Der Vorteil für die Konsumenten ist ebenfalls sichtbar. Sie müssen sich nicht auf die Marketingaussagen der Direkthändler verlassen, sondern haben die Sicherheit, dass eine externe Institution Preise, Arbeitsbedingungen und Handelsbeziehungen überprüft. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Bei den Direkthändlern gibt keine Sicherheit, dass sie wirklich die angegebenen Preise bezahlen. Außerdem profitieren vom Direkthandel hauptsächlich Anbauer, die ohnehin im Markt bekannt sind und keine, die neue Absatzmärkte erschließen wollen.

Der Faire Handel kostet Geld jenseits des Preises des Produkts. So müssen Standards entwickelt und überprüft werden, Produzenten organisiert und vermarktet werden. Der Faire Handel als Wirtschaftsmodell muss in die Gesellschaft und die Politik getragen werden. Dafür werden die Gebühren verwendet. Wenn nun die Direkthändler mit ihren Marketingabteilungen den über Jahre gewachsenen Fairen Handel ignorieren, steigen sie aus der solidarischen Finanzierung dieser Maßnahmen aus und picken sich einige wenige Produzenten heraus. Dies ist legitim, muss aber bei der Beschreibung dieser Handelsformen berücksichtigt werden.

Für mich ist der Faire Handel im System von Fairtrade die derzeit einzige Möglichkeit auf einer breiten Basis im Dialog mit Produzentenorganisationen einen Unterschied für diejenigen Menschen zu machen, die dafür sorgen, dass wir jeden Morgen einen guten Kaffee trinken können und dabei die Welt ein bisschen besser machen.

Disclaimer: Ich liebe guten Kaffee.

CC BY-SA 3.0 DE
Inhalte auf raphabreyer.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Näheres im Impressum ). Der Artikel „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – Die Kritik am Fairen Handel“ (Text) steht unter der CC BY-SA 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Rapha Breyer.

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