Jugendarbeit
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Woodbadgekurse: Tolle Ausbildung – die leider nicht stattfindet

In meinen Bewerbungen gebe ich immer an, dass ich in der DPSG meine Leiterausbildung abgeschlossen habe und nun selber junge Erwachsene ausbilde. Darauf bin ich stolz. Leiter in der DPSG lernen viel über Aufsichtspflicht, Recht, Pädagogik und Finanzen. Am meisten lernen sie allerdings über sich selber. Sie lernen ihre Grenzen kennen und zu respektieren, sie lernen zu reflektieren, auf sich selber zu achten und gemeinsam in der Gruppe Entscheidungen zu treffen, die sie selbst auch zufrieden stellen. Die Lernplattform dafür ist der Woodbadgekurs.

Das ist eine klasse Ausbildung die ihresgleichen sucht. Auch im Berufsleben sind mir immer wieder fähige, aufgeweckte und gute Leute über den Weg gelaufen bei denen es mich nicht wunderte, als ich herausfand, dass sie Georgspfadfinder sind.

So weit, so gradios!

Das Problem ist allerdings, dass diese Woodbadgekurse immer wieder ausfallen. Ehrenamtliche Leitungskräfte bereiten monatelang vor und das Ergebnis ist: Absage.
Für mich kann dies drei Gründe haben:

1.    Bei der Planung und Ausschreibung läuft etwas schief.
2.    Die Leiter in der DPSG haben kein Interesse an Ausbildung.
3.    Die DPSG kümmert sich zu wenig um die Vernetzung der Akteure.

Gegen den ersten Punkt kann man nicht viel machen. Jedes Team entscheidet persönlich und auf Grundlage der eigenen Zeitressourcen wann und wie ein Kurs vorbereitet und ausgeschrieben wird. Vielleicht wäre eine Handreiche mit vorgeschlagenem Ablauf sinnvoll (vgl. WBK Teaming Rottenburg-Stuttgart).

Gegen den zweiten Punkt spricht der Anspruch der DPSG an ihre Leitungskräfte „Leiter in Entwicklung“ zu sein. Das Interesse an Ausbildung sollte also vorhanden sein und sich durch Leiter, die motiviert und begeistert von Woodbadgekursen zurückkommen, in einen positiven Sogeffekt verwandeln lassen. Vielleicht triften hier Anspruch und Wirklichkeit ein bisschen auseinander. Jedoch sollte die DPSG, auch im Angesicht der politischen Entwicklungen in Richtung Führungszeugnis und Ehrenerklärung für Leiter, dafür sorgen, dass von Seiten der Leiter ein Ausbildungsbedarf erhalten bleibt.

Der einzigen Punkt der zentral steuerbar scheint, ist die Vernetzung.

Eine gute Vernetzung stellt Ansprüche an zwei Komponenten: Die Akteure und die Technik.

Akteure
Gerade im ehrenamtlichen Bereich ändern Menschen ihr Verhalten nur dann, wenn sie inhaltlich der Veränderung zustimmen und das Gefühl haben, dass der Nutzen dem Aufwand überwiegt.

Die Verantwortlichen für die Durchführung der Ausbildung, also Diözesanvorstände, in der Regel delegiert an die Diözesanstufenreferenten müssen also den Mehrwert erkennen. Auf die Woodbadgekurse gemünzt heißt das, dass jeder Diözesanreferent diesen beiden Sätzen zustimmen können muss: „Am liebsten ist mir, dass die Leiter der Diözese hier ausgebildet werden. Bevor sie aber keine Ausbildung bekommen, sollen sie sich von einem anderen Diözesanverband ausbilden lassen.“

Die wichtigste Änderung muss allerdings auf Bundesebene geschehen. Die Bundesarbeitskreise müssen sich wieder für die Ausbildung verantwortlich fühlen und nicht nur für die Überarbeitung von Ausbildungspapieren. Wohlgemerkt meine ich damit nicht die Durchführung, sondern die Koordinierung. Seit es keine alten WBK II auf Bundesebene mehr gibt ist das, zumindest in der Jungpfadfinderstufe, für die ich das beurteilen kann, nicht der Fall. Es wird passiv abgewartet bis Diözesen ihre Termine melden und sich WBK Teamer zu Veranstaltungen anmelden. Initiativen wie der Versuch einer Vernetzung mit dem Namen „DonalDAK“ wurden inkorporiert und dann eingeschläfert. Die Information, dass ein Netzwerk nur funktionieren kann, wenn es von allen Seiten gepflegt wird, war wohl nicht bekannt. Niemand benutzt ein Netzwerk ohne echten Mehrwert (siehe Stayscout). Der letzte Versuch die Woodbadgekurse zentral zu erfassen und für alle zu veröffentlichen stammt von mir aus dem Jahre 2007 und hat vielleicht drei Stunden Telefonarbeit gekostet.

Technik
Nun leben wir ja nicht mehr im Jahre 2007 und die technischen Möglichkeiten haben sich geändert. Wir leben jetzt in einer Zeit in der Facebook zum Massenphänomen geworden ist. Das hat die Art und Weise wie wir Informationen empfangen stark verändert und geprägt. Was nicht bei uns im Stream auftaucht, findet nicht statt. Wir wollen nicht mehr aktiv nach Informationen suchen, wir wollen, dass die Informationen zu uns kommen. Und zwar genau so wie alle Informationen zu uns kommen. Außerdem wollen wir ohne Hindernisse mit dem Bereitsteller der Informationen und anderen Menschen darüber reden, sie kommentieren und sie gut finden können.

Zum anderen gibt es die Dropbox in der Dateien zentral für mehrere Personen abgelegt werden können die sich dann auf den Computern der Personen automatisch aktualisieren.

Eine einfache Lösung
Die technische Lösung ist also eine geschlossene Facebook Gruppe pro Stufe mit einer angeschlossenen Dropbox. In dieser Gruppe müssen alle Mitglieder des Bundesarbeitskreises und aller Diözesanarbeitskreise sein. Dazu noch die zuständigen hauptberuflichen des Bundesamts und die WBK Teamer die keinem Arbeitskreis angehören. Inwieweit auch die Diözesanbildungsreferenten Teil dieser Gruppe sein müssen kann diskutiert werden.

Wie es 2001 in meiner Bezirksleitung die Frage gab „Was ist denn mit den Leuten die keine eMail-Adresse haben“ wird es auch 2011 die analoge Fragestellung über Menschen geben, die aus irgendwelchen Gründen nicht bei Facebook mitmachen. Auch hier ist die Lösung kein Hexenwerk. Ein User der Stufe, nennen wir ihn mal „DPSG Jungpfadfinderstufe“ hat als registrierte eMail-Adresse eine Verteilerliste. Darin stehen alle Adressen der Leute die nicht bei Facebook sind. Diese werden bei allen Neuigkeiten automatisch per eMail informiert.

In dieser Gruppe ist es dann möglich kollegial und in lockerer Atmosphäre Termine abzusprechen, Kooperationen zu planen und Teilnehmer zu vermitteln. Flankiert dazu liegen in der Dropbox aktuelle Adresslisten der Referenten und Ansprechpartner, aktuelle Termine und Ausschreibungen. So findet auf technischem Wege eine Verknüpfung von Personen statt.

Der zur Einrichtung einer solchen Gruppe verbundene Aufwand sollte zehn Stunden nicht überschreiten. Am Anfang muss natürlich geprüft werden, wer in diese Gruppe rein darf und wer rein muss, damit es funktionieren kann. Aber ein Hexenwerk sieht anderes aus.
Was allerdings nicht entfällt, ist die Verpflichtung der Akteure diese Plattform zu nutzen und weiterhin mit Begeisterung und Engagement die gute Ausbildung der DPSG in den Verband und die Öffentlichkeit zu tragen.

Ich wünsche mir, dass ich nie wieder einen WBK planen muss, der dann aus vermeidbaren Gründen ausfällt und hoffe, dass ich mit diesem Wunsch nicht alleine dastehe.

Was meint ihr dazu?

CC BY-SA 3.0 DE
Inhalte auf raphabreyer.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Näheres im Impressum ). Der Artikel „Woodbadgekurse: Tolle Ausbildung – die leider nicht stattfindet“ (Text) steht unter der CC BY-SA 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Rapha Breyer.

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